ARTIKEL
 
 
Schweizer Bank von 22.05.2002, 06_02, Unbekannt
 
Unabhängigkeit um jeden Preis
 
Peter Wagner
 
*Claudia Jäggi Talary* *Vontobel-Gruppe* Die Gerüchte um einen Verkauf der Vontobel-Gruppe reissen nicht ab. Aber die Suppe wird (zurzeit) nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht ist: Denn Vontobel setzt auf Selbstständigkeit. Mit dem Aktionariat, das von der Familie Vontobel dominiert wird, werden anders lautende Gerüchte auch sofort entkräftet. Mit dem neu gewählten Verwaltungsratspräsidenten, Peter Wagner, soll die Kontinuität der bisherigen strategischen Ausrichtung gewährleistet werden. Noch einmal zur Erinnerung: Die Vontobel-Gruppe (kurz Vontobel) hat vor einem Jahr Kurskorrekturen vornehmen müssen. Diese Korrekturen wurden im Zusammenhang mit dem gescheiterten Projekt der Internetbank y-o-u, welches Vontobel 206 Millionen Franken gekostet hat, und den Unregelmässigkeiten im Corporate Finance notwendig. Als Sofortmassnahme hatte der Verwaltungsrat der Vontobel den VR-Delegierten und CEO der Gruppe, Jörg Fischer, den CFO der Gruppe, Walter Kaeser, und den Leiter Corporate Finance der Bank Vontobel AG, Hans-Peter Bachmann, am 14. März 2001 fristlos entlassen. Weitere Korrekturen wurden bezüglich Finanzen, Strukturen und Strategien vorgenommen. *Korrekturen greifen* Peter Wagner, neuer hauptamtlicher Verwaltungsratspräsident der Vontobel Holding AG, bezeichnet das Jahr 2001 als Ausnahmejahr und das Resultat gesamthaft als wenig befriedigend. Die Marksteine bilden laut Vontobel das harzige Branchenumfeld, das Winding-down des Internetprojektes y-o-u, die Bereinigung der Altlasten aus dem Bereich Corporate Finance sowie die Beendigung der Managementverträge mit den Beteiligungsgesellschaften Private Equity Holding AG und 5E Holding AG. Der Konzerngewinn liegt konsequenterweise um 63% unter dem Niveau des Vorjahres. Die betreuten Vermögen sind unter anderem wegen des Verlusts von drei grossen Mandaten um 20% auf 61,6 Milliarden Franken zurückgegangen. Die Herausforderungen für den neuen Verwaltungsratspräsidenten sind also enorm. Generell ist das Investment Banking in einer Depression und das Private-Banking-Geschäft leidet unter der konjunkturellen Situation. Wagner scheint aber genau diese schwierige Aufgabe zu motivieren: «Ich habe eine neue Herausforderung in der strategischen Unternehmensführung gesucht. Als Finanzfachmann mit Erfahrung in der operativen und strategischen Führung im In- und Ausland bringe ich die Voraussetzungen, die ein solcher Job erfordert, mit. Jetzt ist genau die Zeit, wo man sowohl strategische als auch operative Erfahrung braucht.» Letztere hat er sich in der Geschäftsleitung von Danzas und im Verwaltungsrat der Deutschen Post geholt. Ausserdem kennt er Vontobel gut: Seit sieben Jahren ist er Verwaltungsrat der Bank Vontobel und seit sechs Jahren Verwaltungsrat der Vontobel Holding AG. ...
 
    Fenster schliessen